Fortsetzung:

Der nächste selbstgebaute Wärmetauscher hatte ein extrem kleines Volumen..leider hatte er auch eine extrem kleine Wärmeübertragung, so daß ich kaum noch 40°C erreichte. Schnell baute ich einen dritten Wärmetauscher, der bis heute zu meiner Zufriedenheit funktioniert, ein Ölvolumen von nur 40mL hat, und problemlos die 70°C erreicht.

Den Kanister aus dem Fußraum verlagerte ich in den Kofferraum.

Knapp 3000 km lang sammelte ich so meine ersten Eindrücke vom Fahren mit Pflanzenöl. 

Dann gab ich die Annonce auf: "Suche gebrauchtes Frittierfett. Hole kostenlos ab"

Noch am Abend des Erscheinungsdatums holte ich 120L feinstes Frittenöl ab, die ein Gastronomiebetrieb in einem Faß in der Garage stehen hatte. Das Fett sah eklig aus, Reste von Putzpapier waren drin, und das Umschöpfen aus dem Faß in meine eigenen Gefäße war mühsam und eine ziemliche Sauerei.

(Da ich inzwischen an verschiedenen Stellen Fett abgeholt habe, weiss ich heute, dass dieses Fett von wirklich guter Qualität war.)

Tja..was macht man jetzt mit solch einer Menge Öl?

In eine Kunststoffwanne bohrte ich unten ein Ablaufloch, und spannte oben ein vierfach gefaltetes Bettlaken drüber. Fertig war mein erster Filter. Langsam sickerte das erste Öl durch diesen Filter...und wenn ich ""langsam" sage, dann meine ich damit, dass ich nach 2 Tagen die ersten 20Liter gefiltert hatte.

Das gefilterte Öl sah klar aus, und hatte eine etwas dunklere Farbe als gekauftes Pflanzenöl. Auch war es deutlich dickflüssiger.

Oben im Filter setzte sich eine dicke Schicht aus Fett ab, die den Filtervorgang sehr verlangsamte und schließlich zum erliegen brachte.

Dieses Fett entsorgte ich in der Biotonne.

Ab sofort fuhr ich nur noch mit gebrauchtem Frittierfett, was auf einmal ganz neue Probleme mit sich brachte:
Bereits nach 200 km war der Kraftstofffilter dermaßen dicht, dass der Motor nicht mehr vernünftig lief.
Dies lag, wie sich herausstellte nicht etwa an Verschmutzung, sondern an kristallisierendem Fett, welches die Poren des Filters verstopfte.
Ein eilends angeschlossenes Unterdruckmanometer gab mir fortan Aufschluß über den Verstopfungsgrad des Filters..wenn der Unterdruck ca. 0,6 Bar erreichte, begann der Motor sehr zu stottern.

Ausserdem stellte sich jetzt heraus, daß die ursprünglich elastischen Kunststoffschläuche ihre Weichmacher an das Öl abgaben und knüppelhart wurden.

Die harten Schläuche wurden an ihren Anschlußstellen undicht, so daß der erhöhte Sog der Pumpe Luft in´s System saugte, was zu Problemen führte, da wegen der kurzgeschlossenen Rückleitung das Kraftstoffsystem nicht mehr selbstentlüftend war.

Ich ersetzte die Schläuche durch Gummischläuche, und baute außerdem einen weiteren Wärmetauscher, damit der Filter nicht mehr kaltes, sondern vorgewärmtes Öl filtern musste.

Den Kugelhahn ersetzte ich durch zwei Magnetventile im Motorraum, so konnte ich jetzt per Schalter zwischen Diesel und Öl wählen.

Nach weiteren 1000 km war der Filter trotzdem wieder dicht, diesmal so dicht, dass ich ihn auch durch Erwärmen nicht wieder gangbar bekam. Ich ersteigerte bei eBay eine ganze Kiste mit Wechselfiltern.
Um den neuen Filter herum  legte ich eine Kühlwasserschlange, um auch den Filter vorzuwärmen.

Dann kam der Herbst, und mit ihm eine neue Herausforderung, denn es wurde kälter. Das Öl wurde zähflüssig wie Honig, was es erforderlich machte, die Magnetventile zu beheizen, da sie sonst nicht mehr öffneten.

Den Winter über mischte ich 30% Diesel bei, da die zähe Pampe sonst einfach nicht durch die Leitung von hinten bis nach vorne gesaugt werden konnte.

Erst nach dem Winter baute ich eine neue Kraftstoffleitung mit 12mm Innendurchmesser ein, in die ich eine Heizwendel mit 40 Watt Heizleistung legte.

Außerdem bekam der Öltank im Kofferraum (inzwischen ein 30L Kanister) ein Heizelement mit 30 Watt Leistung.

Dann die technische Revolution: Bei eBay ersteigerte ich einen programmierbaren Unterdruckschalter. Dieser sorgt jetzt dafür, dass automatisch auf Diesel umgeschaltet wird, sobald die Pumpe zu sehr saugen muss. D.h. wenn der Unterdruck 500mBar überschreitet, wird so lange Diesel zugemischt, bis der Unterdruck wieder unter 100mBar fällt.
Mit dieser simplen Technik kann ich jetzt sofort nach dem Starten auf Öl umschalten, den Rest erledigt der Unterdruckschalter.

Viel Zeit verbrachte ich damit, meine Filterverfahren zu verbessern, denn die Methode mit den Bettlaken stellte sich als völlig unzulänglich heraus, zumal ich später auch Öl bekam, welches wesentlich stärker verunreinigt war als das Erste.

Experimente mit Wäscheschleudern, die zunächst vielversprechend erschienen, erwiesen sich nach und nach als Flop. (Riesensauerei, wenn die Schleuder unwuchtig wird) und eine Zentrifuge war und ist nicht aufzutreiben.

Zur Zeit sieht meine Filtertaktik folgendermaßen aus:

Das Dreckige Öl schütte ich zunächst durch einen Fahrradkorb (Feinmaschiger Drahtgewebekorb, den man an den Fahrradlenker hängen kann) in ein 200L Faß.
In dem Korb liegt zusätzlich ein Fliegennetz. Hier werden grobe Partikel wie Pommes, Krümel, Kroketten und halbe Hähnchen ausgesiebt.

Aus dem Faß saugt eine Zahnrad- Hydraulikpumpe die Pampe an, und drückt sie zunächst durch eine Schlange aus Kupferrohr, welche in einer alten Fritteuse erwärmt wird. Das erwärmte Öl wird in einem Filter, den ich u.a.  aus einer 11 kg Propangasflasche gebaut habe durch vier lagen Bettlakenstoff gepresst.
Zwischen Pumpe und Wärmetauscher ist ein Druckregelventil geschaltet, denn die Pumpe leistet sonst spielend 80 Bar..zu viel für meinen Filter.

Dieses vorgefilterte Öl gelangt in Fass Nr. 2.

Von dort saugt es eine Drehschieberpumpe (Flügelzellenpumpe) an, und drückt es wieder durch einen Fritteusen- Wärmetauscher. Dieser besteht aus ca. 5m Kupferrohr mit 4mm Innendurchmesser, die als Spirale gewickelt im 180°C heissen Öl einer Fritteuse liegen. Hier wird das PÖL auf über 100°C erhitzt, das darin enthaltene Wasser verdampft. Das heisse Fett leite ich erneut durch einen selbstgebauten Filter (altes Feuerlöschergehäuse) Hier wird es durch 10 Lagen Küchenpapier 
Marke "Solo" von ALDI gepresst.

Das Öl sieht jetzt schon sehr sauber aus, und sammelt sich in einem dritten Fass.

Von dort drückt es eine zweite Drehschieberpumpe durch einen weiteren Fritteusen-Wärmetauscher und dann durch den Endfilter. Dieser hat eine Filterfläche von ca. 10x10 cm und besteht aus 10 Lagen Toilettenpapier "Vitess" von ALDI.
Das Filtergehäuse ist diesmal ein Druckluftfilterelement aus Aluminium.

Das fertige Pöl sammle ich in Fass Nummer vier.

Aus diesem Faß befülle ich mit einer dritten Drehschieberpumpe meine Kanister.

Baumarkt-Tauchpumpen oder andere Kreiselpumpen haben sich übrigens als ungeeignet für PÖL herausgestellt. Das Einzige, was taugt sind Zahnradpumpen und Flügelzellenpumpen, letztere werden allerdings bei Krümel-haltigem Öl beschädigt.

 

....wird fortgesetzt.

 

8.6.05....Pölbedingter DEFEKT meiner Einspritzpumpe:  Siehe PUMPENSCHADEN