Herzlich willkommen!

 

"Wie kommt man eigentlich auf die Idee, Frittierfett anstatt Diesel zu tanken" werde ich immer wieder mal gefragt. Dabei ist die Geschichte schnell erzählt..
Für die Sommerferien hatten wir eine Reise nach Andalusien mit fünf Personen geplant. Unser geräumiger Ford KA würde die Reise schon schaffen. Leider stellte sich schnell heraus, das dann überhaupt kein Platz mehr für das Gepäck bleibt, ein größerer Wagen musste her; aber woher nimmt man zwei Wochen vor Reiseantritt mal eben so ein größeres Auto?  Kein Problem! Mein guter Freund Harald organisierte mir kurzerhand einen gebrauchten Jetta, BJ 87, 1,6L Diesel mit KAT und lediglich 365000 Km auf dem Buckel. Kostenpunkt 300,- EURO. 8 Monate TÜV waren auch noch drauf.

Auf der fast 8000 km langen Reise stellte sich dieser dann, obwohl vollbesetzt, vollgepackt, und auch noch mit Dachkoffer versehen, als äußerst zuverlässiges und sparsames Fahrzeug heraus (Durchschnitt 5,6L/100km) so dass ich meine ursprüngliche Idee, ihn nach der Urlaubsreise sofort wieder zu verkaufen schnell verwarf.

Auf solch einer langen Reise hat man als Fahrer viel Zeit, nachzudenken. Nachdenklich wurde ich vor allem an der Tankstelle....MUSS es wirklich sein, dass man so viel Geld für´s Tanken ausgibt?  Schnell stand der Entschluß fest:
Sobald wir zurück aus dem Urlaub sind, werden alternative Treibstoffe getestet. Falls es schief geht, hält sich der Verlust in Grenzen. Und wenn es klappen sollte...umso besser!

Als erstes besorgte ich mir transparenten Schlauch mit 8mm Innendurchmesser aus dem Baumarkt,
zwei alte Zweiwege-Kugelhähne und einen gebrauchten Dieselfilter vom Schrottplatz.

Außerdem natürlich eine Kiste Pflanzenöl von ALDI und einen 10Liter Kanister, welchen ich zunächst im Fußraum auf der Beifahrerseite platzierte.

Der große Moment war gekommen. Alle Schläuche und Hähne waren angeschlossen, der Motor warmgefahren.
Gespannt legte ich die beiden Hähne um, das Öl begann, aus dem Kanister zu strömen, der Dieseltank war vom Motor getrennt. Was würde jetzt wohl passieren? Stottern? Leistungsverlust?  Motor aus? Qualm? Großer Knall?

Nichts dergleichen passierte. Der Motor schnurrte munter weiter, und nach einiger Zeit traute ich mich sogar, richtig Gas zu geben.
(Dazu muss ich sagen: Ich fahre meine Autos NIEMALS mit voller Leistung.)

Der Auspuff verbreitete jetzt einen leichten Geruch nach Frittenbude, allerdings nicht aufdringlich, sondern eher angenehmer als der übliche Geruch von Dieselabgasen.

SO EINFACH war das also mit dem Öl!

Aber Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall..der nächste Morgen brachte die Ernüchterung, dass ein Motor, dessen Einspritzsystem voll mit reinem Pflanzenöl ist, extrem schlecht anspringt..fünfmal vorglühen, Orgeln bis die Batterie fast leer war..und das im Hochsommer! Mit Diesel war der Motor bei diesen Temperaturen immer auf einen Schlag angesprungen.

Endlich sprang er an! Er lief! Und dabei hatte ich mich innerlich schon von der Einspritzpumpe verabschiedet. Und WIE er lief....wie ein Sack voll Nüsse.
Selten habe ich einen Diesel dermaßen nageln gehört, und der weiße Qualm aus dem Auspuff zeugte von reichlich unverbranntem Öl.

Nochmal passierte mir so etwas nicht. Ich schaltete künftig nur DANN auf Öl um, wenn der Motor richtig warm war. Und bevor ich am Ziel ankam, schaltete ich rechtzeitig wieder auf Diesel zurück.

Der kleine Nachteil, dass bei jedem Umschalten ein Wenig Öl in den Dieseltank oder etwas Diesel in den Ölkanister gelangte, war nicht weiter störend.

Im Internet fand ich eine Tabelle, die die Viskosität von Rapsöl und Diesel bei verschiedenen Temperaturen vergleicht.
Was ich da praktizierte KONNTE auf Dauer nicht gut für die Dieselpumpe sein, denn die Viskosität von Rapsöl ist um ein Vielfaches höher als die von Diesel, die Einspritzpumpe muss sich also erheblich mehr anstrengen, um das Öl durch die Düsen zu pressen. Verschleiß ist vorprogrammiert.   Bei 70°C ist Rapsöl immer noch dreimal so dickflüssig wie kalter Diesel.
Ein Wärmetauscher musste also her, um das Öl vor Eintritt in die Einspritzanlage auf mindestens 70°C zu erwärmen. Aus Edelstahlrohren schweißte ich mir einen zusammen, die Wirkung war aber, wie ich mit einem an der Dieselleitung angebrachten Thermometer feststellte, eher mäßig.

Große Vorteile brachte mir dann das Kurzschließen der Kraftstoffleitung.
1. wurde der warme Sprit nicht wieder in den Tank zurückgepumpt, sondern die Wärme blieb in der Pumpe.
2. war der Volumenstrom durch den Wärmetauscher jetzt viel geringer, so daß das Öl besser erwärmt wurde (es erreichte jetzt 60°C)
3. brauchte ich jetzt nur noch EINEN Kugelhahn umzuschalten, denn die Rücklaufleitung war ja außer Betrieb.

Nachteilig war jetzt allerdings die Tatsache, dass es nach dem Umschalten auf Diesel  jetzt wesentlich länger dauerte, bis das Öl in der Einspritzanlage ausreichend verdünnt war um ein  vernünftiges Anspringen am anderen Morgen zu gewährleisten.

Dies lag nicht zuletzt am Volumen meines Wärmetauschers, aber auch an der Länge und am Durchmesser der verwendeten Schläuche.

 

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