Mit der Friteuse nach Andalusien  (Teil 2)


Beide hatten einen Kolbenklemmer erlitten, wodurch dem Kolben dann das Genick abgedreht worden war.  Die erste Pumpe sah ansonsten von innen gut aus, lediglich etwas festes Fett (Konsistenz wie Margarine) befand sich im Innern.
Die erste Pumpe, also die, die ich in Frankreich wechseln mußte, hatte übrigens schon vorher 5000 Km mit Frittenfett gelaufen.

Der Schaden an der zweiten Pumpe war weitaus größer: Erstens hatte sie, ebenso wie die Erste, einen Kolbenklemmer mit daraus resultierendem Genickbruch. Außerdem war der Schieber für das Förderende am Kolben festgefressen, hatte sich deshalb mitgedreht, und so die ganze Hebelmechanik für das Gasgeben zerrissen und zerbrochen. Die sonst spiegelglatte Oberfläche der Nockenscheibe hatte tiefe Krater, (ähnlich so wie die Laufflächen eines total verschlissenen Radlagers) und auch die Druckrollen, auf denen die Nockenscheibe läuft, waren alles andere als rund und glatt.

Da ich mit meiner ersten Pumpe 25000km lang mit Frittenfett gefahren war, bevor sie bei einem Kaltstart mit Öl den Geist aufgab (Siehe Pumpenschaden) war mir natürlich zunächst völlig unklar, wieso ich diesmal zwei Pumpen für 2750km gebraucht hatte.

Folgende Faktoren waren anders als sonst gewesen:
1. Der Motor musste wegen des Anhängerbetriebes und der Berge mehr leisten als sonst
2. Drei Tage vor Abreise hatte ich die 130Bar Einspritzdüsen durch 155Bar Düsen ersetzt
3. Ich hatte noch nie mehr als 500Km DURCHGEHEND mit Frittenfett gefahren, sondern zwischendurch immer wieder auf Diesel umgestellt.
4. Wegen der Außentemperatur war das Öl heißer als sonst
5. Der erhöhte Unterdruck während der ganzen Fahrt hatte evtl. mehr Dreck als sonst durch den Filter gesaugt.

Und: Wieso war der Filter so schnell dicht gewesen?
Den Grund hierfür fand ich schnell heraus. Um mehr Ausbeute zu haben, und um schneller die für die Fahrt benötigten 400 Liter zu filtern, hatte ich das Frittenfett vor dem ersten Filtergang auf 70°C erwärmt.  (Normalerweise kippe ich das Öl kalt durch den ersten Grobfilter.)
Hierbei waren natürlich alle Fette die unterhalb von 70°C schmelzen durch den Grobfilter gelaufen und kamen so mit in den fertigen Kraftstoff. Im beheizten Kraftstofffilter meines Jetta wird das Öl aber auf maximal 60°C erwärmt, logischerweise bleiben dann alle Fette, deren Schmelzpunkt ÜBER 60°C liegt, im Filter hängen.

Wer sich meine Startseite durchgelesen hat, weiß, dass mein letzter Filtergang bei der Reinigung des Öls aus 10 Lagen ALDI-Toilettenpapier besteht. Diesmal hatte ich allerdings eine andere Marke aus einem anderen Supermarkt verwendet, was, wie sich später herausstellte, dazu führte, dass ich wesentlich mehr Schmutz im Öl hatte als sonst.
(Klopapier ist eben nicht gleich Klopapier) 
Normalerweise nehme ich vom Endresultat meiner Filterung immer zwischendurch Proben, um die Trübung zu beurteilen, dies hatte ich diesmal fatalerweise aus Zeitgründen unterlassen. Ausserdem hatte ich das Öl vom Filter direkt in meine Kanister laufen lassen, weshalb mir die ziemlich starke Trübung, die es hatte, nicht auffiel.

Normalerweise sieht das von mir gefilterte Öl so aus:
(Dies ist eine der Proben, die ich während des Filterns ziehe)

Das Öl in meinen Kanistern war hingegen völlig trübe und viel dunkler.
Um es für die Rückfahrt verwenden zu können, musste ich es also noch einmal filtern.
Dabei stellte sich heraus, dass das Öl wirklich viel Schmutz enthielt.

Als erstes ließ ich alles durch ein Küchentuch laufen (Ich verbrauchte dabei ca. 10 dieser gelben Tücher, denn nach ca. 1/2 Kanister lief einfach nichts mehr hindurch.

Danach liess ich alles noch einmal durch 4 Lagen Papierserviette laufen

Damit der Filter nicht dauernd überlief, musste ich mir etwas einfallen lassen:

Das Endergebnis nach dem Filtern sah dann SO aus:

Und die zum Filtern verwendeten Servietten so:

Angesichts der starken Verschmutzung, und weil der Wagen mehr als sonst qualmte, habe ich dann auch noch meine Einspritzdüsen kontrolliert, zwei davon saßen tatsächlich so fest, dass ich die Düsennadel nur mit einer Zange herausziehen konnte. Deshalb wechselte ich vorsichtshalber alle vier Einspritzdüsen und baute nagelneue 130Bar-Düsen ein.

Die Filterei dauerte natürlich ganz schön lange, genauer gesagt, pünktlich am letzten Tag meines 4wöchigen Urlaubs war der letzte Kanister durch den Filter gelaufen.

In der Zwischenzeit (ich habe dort vor Ort 3300km verfahren) fuhr ich mit frischem Sonnenblumenöl vom LIDL, das kostet dort 68Cent pro Liter. Glücklicherweise gibt´s in Spanien das Öl in 5L-Kanistern, das Tanken aus Literflaschen ist doch ziemlich zeitaufwändig.

Natürlich wollte ich nicht ohne Reservepumpe den Rückweg antreten. Deshalb hatte ich sofort am 1. Tag meinen Freund Harald damit beauftragt, mir bei eBay 2-3 Einspritzpumpen zu ersteigern und mir diese zuzuschicken. Eine Woche vor der Rückreise kamen diese dann auch per UPS bei mir an.

Da die Pumpen offen, (eine sogar ohne Deckel), völlig trocken, und teilweise schwergängig waren, zerlegte und reinigte ich sie zunächst, bevor ich zwei davon einbaute, um sicherzugehen, dass sie auch in Ordnung waren.

So sah es in meiner andalusischen Pumpenwerkstatt aus..

Da ich jetzt wieder Reservepumpen hatte, fuhr ich ab sofort wieder mit Frittenöl.

Die Rückreise verlief dann übrigens völlig Störungsfrei, ich fuhr in zwei Etappen, zunächst 2050 km bis ca. 50 km hinter Paris, machte dort 5 Stunden Pause, und fuhr dann die restlichen 700km.  Die gesamte Reisezeit incl. Pause betrug diesmal nur 39 Stunden.

Nächstes Jahr schaffe ich die Reise bestimmt ohne jegliche Panne.

 

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Dankeschön!

Paul Witte