Mit der Friteuse nach Andalusien

(oder weshalb man beim Klopapierkauf auf die Marke achten sollte)

29.Juli...endlich Urlaub..

Wie auch im Jahr zuvor sollte es wieder mit dem Auto nach Südspanien, Andalusien gehen, dieses mal allerdings nicht wie bisher mit teurem Diesel, sondern mit einem weitaus preiswerterem Treibstoff..mit gebrauchtem Frittierfett aus der Imbissbude.

Seit etwas weniger als einem Jahr hatte ich mich im Selbstversuch davon überzeugen können, dass das Dieselaggregat meines alten Jetta, der inzwischen 411 TKM mit dem ersten Motor auf dem Tacho hat, diesen Ökosprit mit ein paar Umbauten problemlos schluckt. So fühlte ich mich denn sicher genug, das Abenteuer zu wagen, mit knapp 400Litern gebrauchtem Frittenfett im Gepäck, verpackt in zwölf 35Liter-Kanistern auf die 2750 km weite Reise zu gehen.

Ausser ein paar Socken und der Zahnbürste packte ich zusätzlich, um nicht auf der Strecke zu bleiben,  zwei Einspritzpumpen, einen Satz Einspritzdüsen samt Einspritzleitungen, zwei Kraftstofffilter, Keilriemen, Wasserpumpe, diverse Kühlerschläuche und natürlich das nötige Werkzeug ein.

Bereits nach 100 km Fahrt war der Unterdruck am Kraftstofffilter höher als gewohnt.
Der Unterdruck bewegt sich normalerweise bei ca. 0,1 bis 0,15 Bar bei Tempo 120 und neuem Filter, und nimmt dann im Verlauf von ca. 10000 km kontinuierlich zu, bis bei ca. 0,45 bar Motoraussetzer wegen Kraftstoff-Unterversorgung auftreten. Der Filter muss dann gewechselt werden.

Der Filter war allerdings erst seit 300km drin, so dass er eigentlich noch längst nicht verstopft sein konnte. Den erhöhten Unterdruck führte ich daher zunächst auf den Mehrverbrauch wegen Anhängerbetrieb zurück, und maß ihm keine weitere Bedeutung zu.

Innerhalb der nächsten 200km verschlechterte sich der Filterdurchlaß dann zusehends, so dass ich noch in Deutschland, auf einem Rastplatz bei Aachen den Filter wechseln musste.

Das Problem schien gelöst zu sein, denn nach dem Wechsel war der Filterdruck wieder in Ordnung, und blieb es auch...zumindest bis Frankreich. Ab der Grenze begann dann der Unterdruck am Filter wieder zu steigen..langsam zwar, aber immer noch weitaus schneller, als ich es gewohnt war. Bei 0,35 Bar lief der Motor zwar noch Problemlos, aber es war abzusehen, dass bald die kritischen 0,45 Bar erreicht sein würden, daher spülte ich 100km vor Paris den Filter, indem ich Dieselkraftstoff rückwärts durch ihn hindurch leitete. Dies war dank diverser Schnellverschlüsse an meinen Kraftstoffleitungen, die ich dort zum Entlüften angebracht hatte, kein Problem. Nach dem Spülen war der Filterdruck dann wieder in Ordnung..allerdings nur für die nächsten 200 km, dann musste ich erneut spülen.

Ich habe den Filter übrigens während der ganzen Hinreise alle 200km spülen müssen,  den letzten Reservefilter in meinem Gepäck wollte ich mir für die Rückfahrt aufheben.

 

Bei Poitiers, also nach ca. 1100km Fahrtstrecke passierte dann das, was ich zwar einkalkuliert hatte, von dem ich aber gehofft hatte, dass es nicht eintreten würde..
Anfangs eines leichten Gefälles ging der Motor aus, so als ob der Zündschlüssel herumgedreht würde. Rollend versuchte ich einmal, ihn wieder anzulassen, dann war mir klar, dass es meine Einspritzpumpe zerbröselt hatte. Das Gefälle ermöglichte es mir, nach einem geeigneten "Landeplatz" Ausschau zu halten..leider kam dieser geeignete Platz auf den ca. 4km Rollstrecke nicht in Sicht, so dass ich auf dem ausgesprochen schmalen Pannenstreifen, dicht an die Leitplanke gedrängt, zum Stehen kam.

Jetzt sollte sich herausstellen, ob ich wirklich ALLES Werkzeug dabei hatte, was man zum Wechseln der Pumpe braucht. 
Als die defekte Pumpe ausgebaut auf dem Ventildeckel lag, hielt hinter mir ein Wagen der französischen Verkehrswacht an. Der freundliche Fahrer war sehr erstaunt, als er die ausgebaute Pumpe sah und ich ihm in gebrochenem Französisch erklärte "pás de Problème..kein Problem". Als ich dann noch auf seine Frage, wie lange ich brauchen würde, sagte "45 Minutes", schüttelte er nur ungläubig den Kopf, stellte mir zur Sicherheit eine Reihe Hütchen hinter dem Fahrzeug auf und verabschiedete sich.
 40 Minuten später rollte ich wieder, die Panne hatte vom Aussetzen des Motors bis zur Weiterfahrt genau 80 Minuten gedauert.

Fast der gesamte Rest der Reise verlief problemlos, von den Zwischenstops zum Filterspülen mal abgesehen.  Aber eben nur FAST der ganze Rest....

Um 22:30 Uhr, 15 km vor dem Ziel, also nach insgesamt 2735 km verreckte dann die zweite Pumpe. Wieder ging in einem leichten Gefälle bei ca. Tempo 110 der Motor aus, diesmal gab es keinen Pannenstreifen, ich schaffte es aber, eine Ausfahrt zu erreichen, und stand nun auf der Mehrzweckspur kurz vor dem Ortseingang der Stadt Chiclana. Hier leistete mir nun die LED-Stirnleuchte, die ich kurz zuvor gekauft hatte, gute Dienste, denn es war Neumond und da es auch keine Straßenbeleuchtung gab, stockdunkel. Wegen dieser widrigen Umstände dauerte die Reparatur dann auch zehn Minuten länger. 

Da ich jetzt keine Reservepumpe mehr hatte, und der Grund für das Pumpensterben mir nicht klar war, fuhr ich die letzten 15km mit Diesel. Um 00:15 erreichte ich mein Ziel, 
El Palmar bei Conil.
Die Hinreise hat übrigens 44 Stunden gedauert, davon waren 4 Stunden Schlafpause bei Vitoria im Baskenland.

Am nächsten Tag zerlegte ich die beiden defekten Pumpen....

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